Der Beagle

 

Sie interessieren sich also für den Beagle. Vielleicht kennen Sie jemanden, der einen hat oder sind auf Grund von Beschreibungen auf die Rasse gekommen. Vielleicht wollten Sie schon immer einen oder haben die Rasse gerade erst kürzlich entdeckt. So oder so ist der erste Schritt nun sich zu informieren, ...was den ein Beagle tatsächlich "ist".

Der Beagle ist ein kleiner, kompakter Meutejagdhund, dessen Aufgabe es ist mit seiner überaus feinen Nase eine Fährte aufzunehmen und ihr spurlaut zu folgen. Der Beagle wurde also nicht als Familien- oder Kuschelhund gezüchtet, auch wenn er sich heutzutage hervorragend dazu eignet. Sein fröhliches Wesen, die angenehme Grösse, die Pflegeleichtigkeit und sein freundliches Aussehen haben dazu beigetragen.

Trotzdem sollte jeder, der mit dem Gedanken spielt sich einen Beagle anzuschaffen, nicht seine ursprüngliche Bestimmung vergessen: spurlaut und selbständig zu jagen. Die Nase eines Beagles scheint oft direkt mit dem Gehirn verbunden zu sein, so dass dieses nicht mehr funktioniert, wenn der Beagle auf Fährte ist. Diese über Jahrzehnte angezüchteten Eigenschaften — nämlich selbständig zu handeln und nicht von dem was er tut ablenken zu lassen — lassen sich nicht einfach wegerziehen. Wenn Sie nicht mit dieser um seinen "Beruf" ausleben zu könnenden Sturheit leben und umgehen können, schaffen Sie sich bitte keinen Beagle an!
Ein Beagle ist ein unermüdlicher Athlet, der sehr viel Auslauf und Bewegung braucht. Beagles wollen sich bewegen, sie wollen laufen, rennen, flitzen und sie brauchen auch Auslastung im Kopf. Ein bisschen im Garten flitzen reicht eigentlich keinem Hund — und ein gelangweilter (junger) Beagle kann ein sehr unleidlicher Zeitgenosse werden. Da nützt es auch nicht wirklich was, die täglichen Spaziergänge immer länger werden zu lassen, ausser dass ihr Hund immer mehr Kondition bekommt (sie natürlich auch, positiver Nebeneffekt). Mit einer kleinen Runde "einmal um den Block" ist es also nicht getan. Es sollten mindestens 2–3 Stunden täglich sein...bei jedem Wetter. Es ist eigentlich egal was, Hauptsache Abwechslung: normale Spaziergänge (gerne auch mit Schnüffel- oder anderen Spielen), ausgedehnte Wanderungen über Stock und Stein, joggen, laufen neben dem Velo, toben und spielen mit Ihnen oder anderen Hunden, Mobility, Agility.... Als Beagleliebhaber bieten Sie Ihrem Liebling also gerne ein Betätigungsfeld, das seinem ursprünglichen Verhaltensrepertoire möglichst nahe kommt. Sie sollten bewegungsfreudig und eher aktiv sein. Ein träger oder alters-/krankheitshalber nicht mehr ganz so beweglicher Mensch dürfte einem Beagle(welpen) nicht gerecht werden und ihn artgerecht beschäftigen können.

Beagle haaren nur einmal im Jahr und das über 365 Tage! Ausserdem haben diese Haare wohl irgendwie eine eingebaute "Bohrvorrichtungen" — man bekommt sie kaum aus Polstern, Teppichen, den eigenen Sachen, Decken usw. wieder raus. Irgendwie sehen Beaglebesitzer immer aus wie eine Haarablagerungsstätte, na ja...

Neben der körperlichen Grösse, dem Bewegungsanspruch und der Haarlänge gibt es aber auch die psychischen Aspekte, die bei der Wahl der für Sie richtigen Rasse eine Rolle spielen. Denn Sie müssen mit dem Hund Ihrer Wahl ja nicht nur körperlich fertig werden. Wenn Sie also ein sehr nachsichtiger, inkonsequenter oder unsicherer Mensch sind, schaffen Sie sich bitte niemals einen Beagle an. Dieser wird Ihnen nämlich gnadenlos auf der Nase herumtanzen und mit Ihnen machen, was er will... Ein Beagle benötigt vom ersten Tag an eine liebevolle aber trotzdem konsequente Erziehung, die eigentlich sein ganzes Leben lang dauert. Dennoch können Sie keinen Kadavergehorsam erwarten. Zudem wird ein Beagle Sie sicher auch im fortgeschrittenen Alter immer wieder mit neuem Schabernack überraschen ;-)) und Ihnen z.B. in einem unbeobachteten Moment den Frühstückstisch abräumen.

Ein Beagle ist sicherlich ein wunderbarer Begleiter, aber kein Hund um auf dem Spaziergang einfach "nebenbei" mitlaufen zu lassen, während Sie in ein Schwätzchen mit anderen Hundebesitzern vertieft sind oder an Ihre Steuererklärung denken: Zukünftige Beaglebesitzer müssen bereit sein, intensiv mit dem Hund zu arbeiten, welches gleichzeitig die Bindung zwischen ihnen fördert. Ein Beagle kann (und soll !!!) mit richtigem und konsequentem Training von Welpenbeinen (!!) an durchaus auch frei laufengelassen werden. Trotzdem sollten Sie sich damit abfinden, dass er in vielen Situationen besser an der Leine geführt wird.

Als Meutehund liebt der Beagle nicht nur das friedliche Zusammenleben mit seinen Sozialpartnern (ob dies nun andere Hunde, andere vierbeinige Familienmitglieder oder eben seine Menschenfamilie ist) sondern er bleibt eben gerade dadurch auch nicht gerne alleine. Er benötigt engen Kontakt zu ihm vertrauten Menschen oder die Gesellschaft anderer Hunde, sonst verkümmert er seelisch.

Der ideale Familienhund

Lieb, folgsam, ruhig in der Wohnung und lustig draussen, brav zu Kindern usw. usw.. - diese Überhunde müssen wohl erst gebastelt werden, geboren werden sie so nicht.
Von einem idealen "Familienhund" ist oft in den Medien die Rede, die dann nicht nur andere Rassen, sondern auch den Beagle als solchen beschreiben.
Wenn Sie jedoch nur aufgrund der Rassebeschreibung erwarten, dass Ihr Hund diesem Bild quasi von alleine auch entspricht, werden Sie nicht glücklich.
Auch Hunde gleicher Rassen unterscheiden sich in ihren ganz persönlichen Eigenheiten. Teils angeborene, teils erlebte und verarbeitete Dinge machen den speziellen Charakter aus. Und, wie gesagt, ohne Erziehung geht gar nichts!
Gut ist es immer, wenn man auch die Eltern kennt und den Züchter befragt, der kann einem oft dazu recht zuverlässige Auskünfte geben, wie das Temperament und das Wesen eines Welpen und natürlich der Eltern ist. Aber, wie gesagt, der Rest liegt bei Ihnen, auch aus dem liebsten Hundebaby wird mal ein erwachsener Hund, der ohne Ihre Hilfe sich ganz anders entwickeln kann und wird, als Sie es sich gewünscht haben.

Seien Sie an dieser Stelle ehrlich zu sich selbst. Ein junger Hund erfordert in den ersten ein bis zwei Lebensjahren enorm viel Arbeit und zeitlichen Aufwand (wobei die Erziehung nie aufhört und Beschäftigung immer sein muss, vieles wird aber leichter und selbstverständlicher). Er kann nicht nur nebenbei laufen, denn dann schleichen sich auf schnellstem Wege Unarten ein, die dem ungeübten Auge oft nicht auffallen und der Aufschrei erst erfolgt, wenn die Situation unüberschaubar aus dem Ruder läuft. Deshalb ist es so wichtig, sich vorher darüber im Klaren zu sein, was auf Sie zukommen kann, die Realität sieht dann sowieso noch mal ganz anders, als erwartet aus.

Fazit: Es gibt keine idealen Familienhunde, wir machen die Hunde zu dem, was sie sein sollen. Und ein ausgelasteter, artgerecht gehaltener, gut geprägter und erzogener Hund ist auch ein idealer Familienhund, denn er ist zufrieden. Nur so rum wird ein Schuh draus!!!! Wenn das die Definition für Familienhund ist, dann gilt das tatsächlich für alle Rassen. Denn diesen Erfordernissen sollten heute eigentlich alle Hunde entsprechen.

Der Beagle sollte also niemals nur wegen seiner handlichen Grösse, seines süssen Aussehens oder als Spielzeug für Kinder angeschafft werden. Er ist ein Jagdgebrauchshund, der zwar ohne jagdliche Arbeit, niemals aber ohne konsequente Erziehung, Beschäftigung und viel Bewegung auskommt!

Meine wunderbare Dream Breeze of Family DelightDer Beagle - ein wahrer Traumhund... mit den richtigen Menschen!

Es gibt leider sehr viele Beagle — erwachsene und noch junge — die wieder abgegeben werden, weil ihre Besitzer nicht mit den obgenannten rassetypischen Eigenschaften zurecht kommen. Seien Sie nicht einer von denen, sondern informieren Sie sich gut, und gestehen Sie sich allenfalls — gerade aus Liebe zur Rasse — auch ein, dass ein Beagle nicht der richtige Hund für Sie sein könnte.

Sprechen Sie deshalb mit Beaglebesitzern, gehen Sie mit einem Beagle spazieren oder nehmen Sie — auch ohne Hund — an den Spaziergängen des Beagle Club Schweiz teil. Ausserdem gibt es einige sehr gute Bücher über Beagle, die ich jedem Interessenten der noch nicht die Möglichkeit hatte mit einem dieser Kobolde zusammenzuleben, empfehle zu lesen.

Ein Beagle ist kein leicht erziehbarer und kein einfacher Hund. Aber, er ist ein anhänglicher, sehr lustiger, aufgeweckter Gefährte mit viel Temperament. Besonders für jemand, der noch nie einen Hund hatte, ist ein Beagle eine sehr grosse Herausforderung. Ein Beagle ist aber bei guter Aufzucht und mit den richtigen Menschen im richtigen, artgerechten Zuhause genau der liebenswerte, fröhliche und anschmiegsame Familienhund, den Sie sich wünschen: sehr verträglich mit anderen Hunden, ruhig im Haus (sofern er ausgelastet ist) und draussen aber temperamentvoll. Es liegt also in Ihren Händen, ob ein Beagle mit Ihnen und Sie mit ihm glücklich werden.